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Mrz
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Vielfalt, Lebensfreude und zwischenmenschliches Engagement im Arbeitsleben

Die Arbeitswelt habe ich am Donnerstag, den 31. Januar 2013, hinter mir gelassen. Wie war es also, in Südafrika zu arbeiten, ein halbes Jahr dem Studentenleben zu entkommen, um zu schnuppern, was in Zukunft wohl so kommen mag?

Haben eine gute Zeit in Südafrika: Die Praktikantinnen und Praktikanten im Mercedes-Werk, unter ihnen auch Karen Schlinkert

Haben eine gute Zeit in Südafrika: Die Praktikantinnen und Praktikanten im Mercedes-Werk, unter ihnen auch Karen Schlinkert

Der lebensfrohe Umgang

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich bisher noch nicht in Deutschland gearbeitet habe. Allerdings gefällt mir die südafrikanische Arbeitseinstellung in vielerlei Hinsicht sehr gut. Morgens bin ich immer gegen sieben Uhr im Büro angekommen – viele Kollegen habe ich zu dieser Zeit nicht angetroffen. Das schöne war jedoch, dass mich alle gegrüßt haben, da ich nah am Eingangsbereich saß. Auch während der Arbeit gab es immer eine Menge an Kommunikation: Des Öfteren wurde sich über die Lautstärke des Telefons oder die des Telefonierenden und dessen Äußerungen an sich amüsiert. Dabei wurde oft das ganze Büro mit einbezogen.

Spannend wurde es auch, wenn Kolleginnen und Kollegen etwas zu Essen mitbrachten: Angesichts der Vielfalt von Herkunftsländern von Deutschland über Südafrika bis Indien kann man sich vorstellen, welche bunte Palette sich auf den Tischen ausbreitete. Leberkäs und Pumpernickel wurden den Afrikanerinnen und Afrikanern, indische Weihnachtssüßigkeiten und afrikanische Nachtische den Deutschen näher gebracht.

Die entspannte Arbeitsatmosphäre

Natürlich wurde nebenbei auch gearbeitet. Naja, eigentlich hauptsächlich. Schön ist es, dass in Südafrika alles auf eine persönliche Art geschieht: Jeder wird geduzt, selbst der Werksleiter. Jedes Mal, wenn jemand anruft oder man selbst zum Hörer greift, erkundigt man sich zuerst nach dem Befinden, bevor der eigentliche Grund des Telefonats besprochen wird. So kam es auch, dass ich in Deutschland anrief bei einem Kollegen, der mich zuvor nur aus E-Mailverkehr kannte und mit der Frage nach seinem momentanen Gemütszustand nichts so Recht anzufangen wusste. Das Gespräch verlief danach jedoch sehr amüsant, und ich konnte ihm bei einigen sprachlichen Barrieren behilflich sein.

Zurück nach Südafrika: Jeder hat mindestens ein Mercedes T-Shirt und trägt dieses so häufig wie möglich, auch der Werksleiter. Man nimmt sich hier viel Zeit für das Zwischenmenschliche, für eine entspannte und lockere Arbeitsatmosphäre. Während meiner Zeit gab es auch zwei besondere Freitage, an denen wir vorher Spenden eingesammelt haben: Das eine Mal für Menschen mit Behinderung und das andere Mal für die Bekämpfung von Brustkrebs. Alle, die etwas spendeten, also prinzipiell alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, haben sich das erste Mal im Matrosenoutfit, was von Pirat bis Schiffskapitän reichte, und das andere Mal in Pink gekleidet.

Hoffen auf die deutsche Arbeitswelt

Nun mache ich noch einmal Urlaub in Südafrika, bevor es mit dem Studieren weitergeht. Ich sehe die Plätze ein letztes Mal und probiere, das, was ich hier an Erfahrungen sammeln durfte, möglichst gut zu verarbeiten und möglichst viel von diesem lebenbejahenden Land mitzunehmen. Und wer weiß, wie mir die gewonnen Erfahrungen später einmal behilflich sein können in der deutschen Arbeitswelt, die mir bis jetzt noch verborgen ist…Ich werde sie vermissen, meine südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich über 1.000 Stunden meines Lebens verbracht habe!

Beitrag von Karen Schlinkert, 5. Semester „Wirtschaftsingenieurwesen“

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