29.Oktober.2010
Wo soll ich nur anfangen, in den letzten Wochen habe ich so viel erlebt, und ich frage mich wie diese ganzen Erlebnisse in einen so kurzen Zeitraum passen!
Also vom 6. Bis 16. Oktober waren Schulferien…wir und der rest des staffs hatten uns einige Tage vorher zusammengesetzt und uns überlegt mit welchen Aktivitäten wir diese 10 Tage füllen, sodass die Kinder beschäftigt sind.
Eva und ich hatten ein bisschen mehr Zeit fürs Coachen – Eva hat jetzt mit Volleyball Coaching begonnen…die Kinder zu trainieren ist wirklich eine Herausforderung! Sie sind gewohnt ohne Regeln zu spielen und das merkt man doch sehr! Sie haben nämlich noch nicht einmal Sportunterricht in der Schule. Die Kinder sind meist allein aufs Match aus und es ist schwer mit ihnen Trainingsübugen durchzuführen. Letzte Woche habe ich das Training abgebrochen, weil sie völlig chaotisch gespielt haben und nur gegen die Bälle geballert haben und ständig gefragt haben: “ Aunty, Aunty can we have a match now?”. Eva und ich haben dann beschlossen erst mal mit dem Coaching aufzuhören diese Woche, weil es bei ihr ähnlich ist.
Wir haben die Kinder gefragt, ob sie wirklich weiterhin trainiert werden wollen…und sie wollen, wir werden sehen, in wie fern sie das Training in Zukunft annehmen.
Eva, Johanna und ich hatten in den Ferien auch die Möglichkeit unsere Ideen zu realisieren. Wir haben einen Sporttag geplant, der wirklich gut abgekommen ist. An diesem Tag kamen die Kinder sogar alle festere Schuhe, Klettverschlusssandalen und teilweise sogar alte Turnschuhe. Wir haben uns richtig gefreut als sie den Sporttag so ernst genommen haben:) Wir begonnen mit einem gemeinsamen Warming up mit Einlaufen, Dehnen und Skippings, nach dem die meisten schon total fertig waren xD
Wir hatten sechs Teams und drei Sportarten: Fußball, Volleyball und Frispee. Der Teamgeist und der Ehrgeiz hat uns an einigen Stellen etwas gefehlt, aber für den 1. Sporttag war es denke ich sehr erfolgreich. Am schluss haben wir dann alles zusammen noch Baseball-Brennball gespielt, ich denke, dass war für alle das Highlight und hat wirklich jedem Spaß gemacht. Zur Belohnung gabs für die Kinder German chocolates und für das Gewinnerteam sogar selbstgebastelte Medaillien.
Außerdem haben wir mit den Kindern “treasure hunting” gemacht! Sie mussten nach verschiedenen Clues suchen und haben am Ende eine Schatzkarte bekommen die zu einem ganz tollen treasure mit Gummibärchen und nimm 2 soft führte….
Wir haben auch angefangen 5 Jungen und Mädchen einen von uns selbst ausgedachten Tanz beizubringen zu dem High School Musical Song “All for one”. Die Kinder werden diesen Tanz beim Blessing am 24 November tanzen, wenn das neues Haus eingeweiht wird…wir sind gerade noch dabei einen Tanz für die ganz kleinen auszudenken, es wird ein ganz einfacher Tanz, angelehnt an Eurythmie, zu total chilliger Musik. Jedes Kind bekommt wahrscheinlich ein Palmenblatt in die Hand.
Es war jeden Tag library-time, wofür ich zuständig bin. Die Kinder hatten ne Stunde pro Tag zum lesen. Ich hab versucht die großen Kis dazu zu bringen mal ein etwas dickeres Buch zu nehmen, aber das ist den meisten scheinbar zu anstrengend….aber library machen wir jetzt wirklich regelmäßig weil einige echt Probleme beim Lesen haben, oder auch beim selbstständigen Texte-Schreiben.
Wir hatten während den Ferien Teacher Francies aus Singapur zu Besuch, die mit den Kindern Geschichten und Zusammenfassungen Schreiben geübt hat. Sie war etwas erschrocken, und meinte die Kinder müssten grammatikalisch weiter sein….z.B reden die Kinder meistens nur einsilbig, wie z.B: “Aunty, Football” oder, “Aunty, rice”. Anstatt zu sagen: Aunty, please give me a football. Darauf achten wir mittlerweile extrem und wenn sie nicht ganze Sätze reden, dann bekommen sie auch nichts!
Am Ende der Ferien hatten wir wieder ein Children’s meeting und Rosamma fragte, was ihnen denn am meisten gefallen hat und sie sagten “sportsday”…da ging uns das Herz auf
Ich hab übrigens gelernt, aus Palmenblättern Besen zu machen, wer weiß wofür ich das nochmal brauche…:)
Dann hatten wir “hohen” Besuch aus Rom! MSFS ( Missionaries of St. Francis de Sales) hatte Founder’s Day, an dem man Peter Marie Mermier gedenkt, der Gründer der Kongregation der Salesianer. Zu diesem Anlass kam Father Agnelo Fernandes aus Rom, der Superior General der MSFS’. Eigentlich war bei Tejas (der Priesterschule 500m vom Nest) ein großes Programm geplant mit vielen Gästen. Allerdings war an diesen Tagen, Versammlungsverbot in Indien, man durfte nicht in großen Gruppen zusammenkommen, weil es zu diesem Zeitpunkt immer interreligiöse Ausschreitungen gibt, weil sich verschiedenen Gruppen darum “streiten”, wem irgendein Tempel gehört.
Das Programm wurde dann einige Tage später nachgeholt und es wurde ein ca. 2stündiger Sketch vorgefüht, in dem es um die Judenverfolgung in Deutschlang ging. Ein Satz der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist lautete: In deutschland wurden Millionen von Deutsche ermordet, woraufhin sich 40 Kinder zu den Autnies aus Deutschland umdrehten und uns anstarrten. War ein bisschen blöd, vor allem weil uns keiner vorgewarnt hatte und zumindest, die kleinen Kinder die deutsche Geschichte noch nicht verstehen und kennen und echt Angst während der Vorführung hatten. Mittlerweile ist aber schon wieder alles vergessen, es ist auch gar nicht so als ob das irgendwelche Auswirkungen auf das Verhältnis mit den Kindern hätte, aber in dem Moment haben wir uns einfach etwas unwohl gefühlt.
Dann haben wir mit den Kindern nochmal ganz traditionell das Onam-Fest gefeiert. Dazu kamen etwa 60 Menschen zu Besuch, die sich super viel Mühe gemacht haben, den Kindern einen schönen Tag zu schenken. Es waren befreundete Familien, die allesamt Gelde spendeten und jedem Kind neue Kleider schenkten. Sie bauten ein großes Zelt auf in dem wir alle zusammen ganz taditionell vom Banana-Plant-Leave aßen. Natürlich selbstgemachtes, traditionelles Onam-Essen! Sehr lecker !!
Jetzt sind die Ferien vorbei – dass haben wir diese Woche gleich mal genutzt und sind mit Savitri nach Bangalore gefahren. Sie hat uns gezeigt welche Busse wir nehmen müssen und das nächste Mal werden wir es dann ganz allein versuchen…uiiiiiiiii!
Wir sind zum 1. Mal Riksha gefahren, das indische “Taxi”. Zu viert war es etwas eng und ich, die ganz außen saß, hatte echt Panik rauszufallen oder von den vorbeifahrenden Autos zerquetscht zu werden. Aber mit der Zeit lernt man sich wenigstens etwas mit dem indischen Fahrstil und Verkehr anzufreunden. Etwas!
Wir waren diesmal auf der Commercial Street, ganz anders, als die Straßen, in der wir sonst sind um z.B Churidars oder Schmuck zu kaufen. Man sieht fast nur Menschen in westlichen Klamotten. Wir dachten wir sind jetzt total passend gekleidet mit Churidar, aber nix da! Da hat man nur Jeans und T-shirt gesehen. Man glaubt es kaum, es gibt sogar ein Vero Moda in Bangalore, da denkt man fast, man wäre zu Hause. Wir haben uns dann auch ein Stück zu Hause gegönnt und uns im Supermarkt Peanut Butter gekauft. Mhhhhhhhh, echt einfach nur geil mal ein Toast mit Peanut Butter zu essen. Auch wenn ich total aufs indische Essen stehe. SO wie Eva gestern sagte: Schei… auf deutsche Brötchen, Chapati und Curry zum Frühstück ist das Beste! Ich steh sogar auf den Reis den die Kinder morgens oft zum Frühstück kriegen.
Apropos Chapati und Reis…wir waren diese Woche endlich mal in der Küche ein bisschen von Nashanti und Gomathi abgucken. Wir können jetzt schon ganz tolle indische Sachen kochen:)
Wir werden auch immer indischer. Wir sind mittlerweile Churidar-technisch mit sechs Stück ganz gut ausgestattet, wir haben super-kitschige-glitzerne Bangles (Armreifen), Fußkettchen, Fußringe, wir benutzen Kokosöl für die Haare um sie schön weich zu machen ( Kann ich übrogens nur jedem empfehlen, ist für die Haare das absolut Beste!!!), wir hatten schon Henna-Tattoos und machen uns für die Messe und besondere Anlässe immer einen Bindi (Punkt oder Glitzerstein zwischen den Augenbrauen). Wir duschen mittlerweile mit Seife und nicht mehr mit Duschgel und das Esssen mit Besteck zu essen, schmeckt uns nur noch halb so gut!
Die liebsten und sonnigsten Grüße aus dem bunten Indien!
Eure Lisa















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